6.1  Freilandversuche
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Berichtsgliederung entsprechend Vorschrift: Nr.3.2 BNBest-BMBF98 <http://www.fz-juelich.de/ptj/datapool/page/490/Schlussbericht.rtf>

6.1  Freilandversuche 

  6.1.1 Durchführung

  6.1.2 Bioindikation der Schadstoffe

  6.1.3 Sickerwasseranalysen

  6.1.4 Bodenanalysen

  6.1.5 Unterscheidung in Etablierungs- und Dendroremediationsphase

  6.1.6 Rückhaltefunktion der Gehölze

  6.1.7 Bilanzlücke bei Bodenuntersuchungen

  6.1.8 Bewertung der Bodenbeprobungen

  6.1.9 Alternative Untersuchungsmöglichkeiten

6.1.1 Durchführung  Seitenanfang / top of page  top of chapter

Die Freilandexperimente wurden in Lysimeter-Töpfen (20-L-Mitscherlichgefäßen) mit TNT/ADNT-Altlastböden in vier Belastungsstufen (0,06; 1,3; 36,7 und 152,5 mg TNT/kg Trockenboden) durchgeführt. Jede der vier Belastungsstufen (Bezeichnung: SA1, SA2, SA3, SA4) war mit folgenden sechs Bepflanzungsvarianten in drei Wiederholungen kombiniert: Salix-Hybriden EW-13 und EW-20, Populus-Hybride ZP-007, Betula pendula, Picea abies und die jeweilige unbepflanzte Kontrollvariante.

Die als zweifaktorieller Versuch (Varianten) konzipierte Versuchsanlage simuliert eine größere Fläche wechselnden Kontaminationsgrades mit 72 Messpunkten, die mit verschiedenen Gehölzen bepflanzt ist. Es herrschten Bodenbedingungen, die mit dem Zustand nach einer mechanischen in-situ-Bodenbehandlung (Bodenhomogenisierung durch Fräsen, Grubbern etc.) vergleichbar sind.

Im Gegensatz zu ursprünglich geplanten in-situ-Untersuchungen an gehölzbepflanzten Bodenmieten bzw. Altlastflächen war mit unserem aktualisierten Versuchsansatz mit Kleinlysimetern eher eine Erfolgskontrolle im Sinne einer Bilanzierung möglich, da die Sickerwasserfrachten des gesamten Bodenkörpers quantitativ erfasst werden, interferierende Lateralverlagerungen durch Zu- und Wegstrom von Schadstofffrachten ausgeschlossen werden konnten und das gehölzdurchwurzelte Bodenvolumen definiert blieb.

Parameter der Erfolgskontrolle (Monitoring-Parameter) waren der durch Bodenstechproben (soil sampling) und Ethylacetat-Extraktion ermittelte Anfangs- und Restnitroaromatengehalt des Bodens, Sickerwassermonitoring sowie Wachstums- und Ertragsmessungen zur summarischen Schadstoff-Bioindikation des Gesamtbodenraums. Zur Erfolgssicherung wurde das Wachstumsmonitoring aller Gehölze parallel in Spiegelversuchen mit 1-m³-Lysimetern.

6.1.2 Bioindikation der Schadstoffe   Seitenanfang / top of page  top of chapter

Die bei den ersten Wachstumserfassungen vom Anfangs-Kontaminationsgrad des Bodens abhängigen Wachstumsunterschiede verlieren sich, bei allen Laubgehölzen übereinstimmend, schrittweise während der Dendroremediation. Bei Fichten bleibt das Bild wegen Kontaminationsinhomogenitäten der Böden im Gefäßversuch uneinheitlich. Die Absicherungsversuche in 1-m³-Lysimetern bestätigen jedoch die Tendenzen der Laubgehölzreaktionen. Der schrittweise Ausgleich der Wachstumsunterschiede und auch der Ertragswerte, spiegelt den abnehmenden Nitroaromatengehalt der Böden wieder, der auch durch abnehmende Sickerwasserfrachten bestätigt wird. Die Bioindikation des Schadstoffgehaltes ist dabei zuverlässiger als die Stechprobenanalytik des Bodens, wobei die Salix-Hybride EW-13 aus morphologischen Gründen die beste Eignung als Bioindikator zeigt.

Wachstumshemmungen halten nur beim „hoch“ kontaminierten Boden (SA4) bis zum Versuchsende nach anderthalb Jahren an und führen sogar zum gelegentlichen Absterben der Pflanzen. Als Ursache für diese, nicht mit dem Rest-Nitroaromatengehalt Bodens vereinbare Bioindikation, konnte eine zusätzliche Kontamination durch hohe Bor-Gehalte ermittelt werden.

6.1.3 Sickerwasseranalysen  Seitenanfang / top of page  top of chapter

Die kumulative Bodenauswaschung (Zusammenrechnung aller Sickerwasseranalysen) ist bei unbepflanzten Varianten höher als bei bepflanzten Gefäßen. Diese Aussage gilt für die „sehr gering“, „gering“ und „mittel“ belasteten Böden (SA1-3). Beim „hochbelasteten“ Boden (SA4) ist eine Abhängigkeit der Auswaschung von der Bepflanzung nicht mehr eindeutig, was mit den Wachstumshemmungen und dem teilweisen Absterben der Pflanzen durch die zusätzlich Bor-Kontamination zu erklären ist. Die Bepflanzung hat bei allen vier Böden keinen Einfluss auf die GC-ECD-erfassbare Art der Zusammensetzung der Sickerwässer. Eine Erhöhung der TNT-Metabolitenanteile an der Nitroaromatenfracht durch den Bepflanzungseinfluss tritt in keinem Fall auf. Das TNT/ADNT-Verhältnis ist jedoch bei den vier verschiedenen Kontaminationsgraden der Böden unterschiedlich. Hohe Absolutwerte des TNT-Gehaltes bedingen auch einen höheren prozentualen TNT-Anteil.

6.1.4 Bodenanalysen   Seitenanfang / top of page  top of chapter

Nach zwei Vegetationsperioden im September 2000 durchgeführten Bodenbeprobungen erfolgten in zwei Ebenen. Wie bei der Anfangsbeprobung im Frühjahr 1999, traten sehr starke Schwankungen zwischen den zu vergleichenden Probenvarianten auf. Das teilweise partikulär oder kleinstlokal vorliegende TNT bzw. ADNT sowie unterschiedliche Bindungen an die anorganische und organische Bodenmatrix bewirken eine hohe Variation der Analyseergebnisse. Generell ist eine starke Abnahme der Bodenkontamination nachweisbar, die jedoch auch in den unbepflanzten Varianten auftritt.

6.1.5 Unterscheidung in Etablierungs- und Dendroremediationsphase  Seitenanfang / top of page  top of chapter

Der Remediationsphase durch Gehölze („Dendroremediation“) ist eine Etablierungsperiode (rapide Anfangsauswaschungsphase) vorgeschaltet, die, ausgelöst durch die Strukturveränderung des Bodens während der Auskofferung und Homogenisierung, anscheinend eine hohe mikrobiologische Anfangsaktivität, aber auch durch die anfängliche Bodenbelüftung unspezifische Prozesse auslöst. Kennzeichnend für diese Anfangsphase, in der die Bodensackung, somit Verschluss von Makroporen und vor allem das Wachstum der Gehölze erst erfolgen muss, ist u.a. eine gegenüber der Dendroremediationsphase höhere Schadstoffauswaschungsgeschwindigkeit von TNT und ADNT.

Bei unserem Gefäß-Freilandmonitoring tritt während der Etablierungsphase der gleiche Effekt der starken Schadstoffminderung auf, der bei in situ durchgeführten mechanischen Bodenbearbeitungen anderer Projektgruppen  als Sanierungsziel gilt.

6.1.6 Rückhaltfunktion der Gehölze Seitenanfang / top of page  top of chapter

Weniger die Auswaschungsraten, als vor allem TNT-Abbauprozesse der Etablierungsphase überlagern und maskieren die mit der Bodendurchwurzelung und Transpirationssteigerung beginnende Dendroremediation.

Eine Phytoremediationswirkung ist erst nach Ablauf der Etablierungsphase als „gehölzbewirkte“ Verringerung der Sickerwasserfrachten eindeutig erkennbar. Diese geringeren Sickerwasserfrachten sind dabei nicht durch transpirationsbedingte Auswaschungsminderungen verursacht.

Der Rückhalteeffekt tritt bei geringeren TNT-Bodenkonzentrationen, die auch eine schnellere Gehölzetablierung erlauben, schneller hervor, nicht jedoch bei Zusatz-Kontaminationsverhältnissen, die das Wachstum der Gehölze verhindern. Die Rückhaltefunktion ist sogar in Wintersickerwässern der blattabwerfenden Laubgehölze eindeutig nachweisbar, was vor allem deshalb sehr wichtig ist, weil in der Winterphase der Hauptteil der Grundwasserneubildung und damit der höchste Schadstoffeintrag erfolgt.

6.1.7 Bilanzlücke bei Bodenanalysen Seitenanfang / top of page  top of chapter

Beim Vergleich des mit organischem Lösungsmittel extrahierten Anfangs- und Endnitroaromatengehaltes des Bodens bei gleichzeitiger Einrechnung des Sickerwasseraustrages und des Pflanzengehaltes zeigt sich eine Bilanzlücke von ca. 85 %, die mit den erwähnten Schwankungen in allen, auch in den gehölzfreien Varianten auftritt, somit Allgemeingültigkeit besitzt und nicht mit messtechnischen Ungenauigkeiten begründet werden kann. Diese erhebliche Bilanzlücke und die Tatsache, dass die Bodenkontaminationsanalysen eine nicht überwindbare Inhomogenität aufzeigen, forderten erweiternde Untersuchungen zum TNT-Schicksal, die u.a. durchgeführt wurden, um festzustellen, ob tatsächlich derart hohe TNT-Verluste im Boden/Baum-System auftreten können.

6.1.8 Bewertung der Bodenbeprobungen  Seitenanfang / top of page  top of chapter

Die Stichproben-Bodenbeprobung und die Extraktion mit organischen Lösungsmitteln können wegen der nicht überwindbaren Schadstoffinhomogenität die in den Sickerwässern und durch Bioindikation angezeigten Dendroremediationseffekte nicht hinreichend abbilden und sind trotz erheblichen quantitativen Aufwandes nicht geeignet, das Dendroremediationspotential von Gehölzen abzuschätzen.

Dies hat zu der Schlussfolgerung geführt, dass bei zwangsläufig wesentlich gröber gerasterten in-situ-Untersuchungen von Altlastflächen Bodenstechproben lediglich der Groborientierung dienen können und damit  beispielsweise schnelle Bodenhomogenisierungseffekte nachweisbar sind. Nachhaltige Phytoremediationseffekte werden in situ nicht durch Bodenproben nachweisbar sein, solange die Untersuchungszeiträume nur wenige Jahre betragen und laterale Schadstoffverlagerungen nicht ausschließbar sind.

 

6.1.9 Alternative Untersuchungsmöglichkeiten Seitenanfang / top of page top of chapter

Ein Ausweg zur Erfolgseinschätzung der Phytoremediation kann neben einer möglichen Bioindikation von pflanzenbedingten Sanierungseffekten darin liegen, den Schadstoff-(TNT)-Eintrag in Phytoremediationssysteme kontrolliert quantifizierbar zu gestalten. In situ könnte ein durch Passivsammler berechenbarer Lateraleinstrom in einkapselbare, bislang unbelastete Kleinflächen, bei gleichzeitiger Toxizitätskontrolle des Wachstums der eingesetzten Pflanzen und engmaschiger Bodenanalytik, zur Berechenbarkeit von Sanierungseffekten führen, wobei es sich aus Gründen der hohen Transpirationsleistung, der Anspruchslosigkeit und der Langlebigkeit (Nachhaltigkeit) anbietet, Gehölze zu pflanzen oder bereits baumbestandene Flächen zu verwenden.


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letzte Aktualisierung: 18.02.04 22:12 durch BerndSchoenmuth@yahoo.de  Vorherige Seite     Nächste Seite