6.2. Dendrotoxizität- u. Schadstoffverbleib
DendroRemediation HomeHome Dt. ] Nach oben ] 6.1  Freilandversuche ] [ 6.2. Dendrotoxizität- u. Schadstoffverbleib ] 6.3 Radiotracer-Bilanz ] 6.4 Standortgehölze ]


 

Vorherige Seite     Nächste Seite             English version of this page

Berichtsgliederung entsprechend Vorschrift: Nr.3.2 BNBest-BMBF98 <http://www.fz-juelich.de/ptj/datapool/page/490/Schlussbericht.rtf>

6.2 Dendrotoxizitäts- und Schadstoffverbleibsuntersuchungen 

  6.2.1 Durchführung

  6.2.2 Nitroaromaten-Bilanz

  6.2.3 Nitroaromaten-Toleranz der Gehölze

  6.2.4 Simulation der Dendroremediation

  6.2.5 Berechenbarkeit der Dendroremediation

6.2.1  Durchführung Seitenanfang / top of page top of chapter

Zur schnelleren Einschätzung der Dendroremediationspotenz und als Querverbindung zu den Radiotraceruntersuchungen mit [14C]-TNT sind im vorliegenden Projekt zusätzlich einmonatige Zeitrafferversuche im Gewächshaus durchgeführt worden, die durch auswaschungssichere Dochtapplikationssysteme  den bioverfügbaren TNT-Input durch temporäre Applikation von wassergelöstem TNT zu juvenilen (Beispiel 1, Beispiel 2) und adulten Gehölzen (Beispiel 3) definieren ließen. Gleichzeitig konnte die Dendrotoxizität durch Wachstums- und Transpirationsmessungen quantifiziert, der Nitroaromatenverbleib in Boden und Pflanze mittels GC-ECD-Analytik bilanziert und die Resttoxizität des Bodens im Kressetest überprüft werden. Als Gehölze fanden die, auch in den Freilandversuchen verwendeten Hybriden von Salix und Populus sowie Picea abies Verwendung. Zur Erhöhung der Allgemeingültigkeit des Ergebnis-Aussagewertes für Nadelgehölze wurden zusätzlich Picea glauca und Pinus sylvestris verwendet. Neben TNT, wurden auch wichtige TNT-Begleitstoffe, wie Dinitrotoluole (DNT), Trinitrobenzol (TNB) und Aminodinitrotoluole (ADNT) getestet.

Praxisnah wurden Versuche mit gehölzbepflanzten Dochtschalen zur Entgiftung der Freilandsickerwässer und von TNT-Vergleichswässern durchgeführt.

Die aus den Versuchen resultierenden Ergebnisse und Folgerungen können zusammengefasst werden:

6.2.2  Nitroaromaten-Bilanz Seitenanfang / top of page top of chapter

§       Quantitativ definierbare und zeitlich begrenzbare Zugaben bioverfügbarer Nitroaromaten erlauben Bilanzen des Schadstoffschicksals.

§        Selbst zu abgelagertem Boden zugeführte Nitroaromaten (TNT, TNT-Metabolite, DNT) sind in hohem Maße nichtextrahierbarem Verschwinden unterworfen. Mit Ausnahme von 2,4-DNT mit ausreißenden Maximalwiederfindungen von ca. 10 % verschwinden mehr als 95 % der temporär applizierten Nitroaromate im System Boden/ Pflanze, trotz der kurzen Nachwirkungszeit von ca. zwei Wochen.

§       Die absoluten Massen des während der Dendroremediation verschwundenen TNT erreichen Werte im Bereich von 150-200 mg/kg, bei Picea glauca sogar 230 mg TNT/kg Trockenboden.

§       Hohe absolute Verschwinderaten/Abbauraten unter dendrotoxischen Bedingungen im Bereich von 200 mg/kg Boden ergeben auch eine Möglichkeit der Erklärung für die 85 %-ige, gehölzunabhängige Bilanzlücke der Freilanduntersuchungen.

§        Die gegenüber dem Boden allgemein höheren Konzentrationswerte bei der Nitroaromatenwiederfindung in Wurzeln haben wegen der geringen Masse der Wurzeln nur Bilanzanteile von unter 1 %.

§       Die höheren Wurzelkonzentrationen sprechen dafür, dass die Schadstoffe durch den Transpirationssog die Pflanze erreicht, jedoch auf Grund der kurzen Erholungsphase noch nicht restlos aufgenommen oder metabolisiert worden sind. Es ist davon auszugehen, dass die an oder in den Wurzeln aufgefundenen Nitroaromaten weiter metabolisiert werden können, was die durchgeführten Radiotracerversuche an Picea und Salix beweisen.

§        Es war in keinem behandelten Böden eine Resttoxizität im Bezug auf Wachstum und Transpiration von Kresse (Lepidium sativum) zu verzeichnen.

6.2.3 Nitroaromaten-Toleranz der Gehölze Seitenanfang / top of page top of chapter

§       Die Bodenzufuhr an TNT bzw. TNT-Begleitstoffen ist transpirationsgesteuert. Die Dendrotoxizität ist eher von der Transpirationsgeschwindigkeit, somit vom Verhältnis von Zufuhr- zu Abbaugeschwindigkeit, abhängig, als von der absolut zugeführten Schadstoffmasse und weniger abhängig von der Art des Gehölzes.

§       Es lässt sich die Toleranz des Dendroremediationssystems gegenüber wassergelösten Schadstoffen abschätzen. Dies ist sehr wichtig für die Zufuhr von kontaminierten Sickerwässern zu gehölzbasierten Pflanzenkläreinrichtungen oder für das zufällig durch austretende Bergwässer oder Run-off-Effekte (Starkregenereignisse, Schmelzwasserabfluss) erfolgende oder das gezielte Einleiten von kontaminierten Wässern in Waldbestände.

§       Als Toleranzgrenze sollten Konzentrationswerte von 15 mg/l angesehen werden. Bis auf die 2,4-DNT-Ausnahme, gilt diese Richtkonzentration für alle getesteten Nitroaromaten. Es tritt bei dieser Konzentration zwar eine relative Wachstumsminderung gegenüber der Kontrolle ein. Die Wachstums- und Transpirationsleistung bleibt aber auf einem akzeptablen Maß. Wie TNT-Applikationen zu Dochtschalen zeigten, sind TNT-bewirkte Wachstumshemmungen bei Salix EW-13 zudem reversibel. Auch der Neuaustrieb nach dem Zweigrückschnitt temporär DNT-behandelter Salix EW-13 ist unabhängig von der Vorbehandlungskonzentration.

6.2.4 Simulation der Dendroremediation  Seitenanfang / top of page top of chapter

Durch den Transpirationsstrom der Gehölze angetrieben, simulieren die Versuche allein die Dendroremediation des bodenwassergelösten Anteils der Nitroaromaten.
Die Simulationen berücksichtigen nicht den Dendroremediationsanteil gegenüber reversibel an die organische Bodenmatrix oder Tonminerale gebundenen Nitroaromatenanteilen, die durch organische Lösungsmittel analytisch zugänglich wären. Unter natürlichen Bodenbedingungen sind Steigerungseffekte des Dendroremediationspotentials zu erwarten durch:             

¡ 

die zusätzliche Phytoextraktionskraft der Gehölzwurzeln durch Ausscheidungen von Enzymen und organischen Säuren

¡ 

die Effekte der durch Wurzelexsudate geförderten mikrobiellen Rhizosphärenflora

¡ 

die vor allem für die Nadelgehölze wichtige Mykorrhizawirkung

6.2.5   Berechenbarkeit der Dendroremediation Seitenanfang / top of page top of chapter

In der Querverknüpfung mit den durchgeführten Parzellenertragsmessungen, den Radiotraceruntersuchungen und mit Literaturwerten zur Evapotranspirationsleistung ermöglichen die aufgezeigten Ergebnisse zur Dendrotoxizität (bzw. Nitroaromatentoleranz) und zum Schadstoffverbleib die Erstellung von Berechnungstabellen für die Dendroremediationsdauer von TNT-Böden bei angepflanzten oder vorhandenen Gehölzbeständen.


  letzte Aktualisierung: 18.02.04 22:11 durch Bernd Schoenmuth Vorherige Seite     Nächste Seite