6.4 Standortgehölze
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Berichtsgliederung entsprechend Vorschrift: Nr.3.2 BNBest-BMBF98 <http://www.fz-juelich.de/ptj/datapool/page/490/Schlussbericht.rtf>

6.4  Standortgehölzflora  

Untersuchungen wurden an Altlastgehölzen (u.a. Salweide, Birke, Himbeere, Fichte) aus dem ehemaligen Sprengstoffwerk „Tanne“ in Clausthal-Zellerfeld (nahe ehem. Gebäude 110) durchgeführt. In der dortigen Gehölzflora ist die Fichte dominant.

Freilanduntersuchungen zum Dendroremediationspotenzial angepflanzter Fichten (Picea abies), Zitterpapeln (Populus tremula) und Schwarzem Holunder (Sambucus nigra) (Versuchseinrichtung) erfolgten im Rahmen des BMBF-Verbundprojektes am Standort 'Tanne' arbeitsteilend durch die Universität Bremen in Kooperation mit dem Sanierungsunternehmen UMWELTSCHUTZ NORD [#Lit. 2, #Lit. 3, #Lit. 13] (s.a. Punkt 8).

Ergebnisse

Die Ergebnisse unserer Untersuchungen ergaben ein gemischtes Bild. In Gehölzwurzeln, deren Umgebungsboden TNT, bzw. auch Aminodinitrotolule (ADNT) enthält, sind TNT und ADNT immer nachweisbar. Eine quantitative Zuordnung der sehr stark variierenden Nitroaromatengehalte zum Kontaminationsgrad des umgebenden Bodens ist bei Streuungen der Bodenproben von 1000 % und mehr jedoch nicht mehr sinnvoll. 

Bei oberirdischen Anteilen von erwachsenen Bäumen ist die Rinde für Untersuchungen wegen des hohen Matrixpotentials ungeeignet. Auch Nadeln junger Fichten (ca. 1-3-jährig) sind wegen des Matrixpotentials und ihrer Bodennähe kaum analysierbar.

Allein das rindenfreie Holz (Weiden, Birken, Fichten) lässt sich mit vertretbarem Aufwand mittels GC-ECD analysieren. Die Proben-Entnahme aus dem inneren Stammbereich verhindert zudem die Messung von oberflächlichen Zufallskontaminationen, die vom Regenspritzwasser oder von Stäuben aus den umgebenden hochkontaminierten Böden herrühren. 

In oberirdischen Bereichen (Stammhöhe bis 1 m ) sind ADNT, aber kein TNT, im Holz von Salweiden in Spuren bis maximal 0,4 mg/kg nachweisbar, nicht im 1-m-Holz von Fichten und Birken. Im Frühjahrsblutungsaft von Birken von der Rüstungsaltlast Sythen (Nordrhein-Westfalen) waren ebenfalls keine Nitroaromaten nachweisbar. 

Transpirationsabhängigkeit der Nachweise

Es zeigte sich jedoch, dass selbst die wenigen sicheren ADNT-Nachweise nicht bei jeder Beprobung gelangen. ADNT-Nachweise scheinen von der Witterung abzuhängen. Beprobungen zur frühen Mittagszeit heißer Sommertage, zu Zeiten also, wo die Bäume am lebhaftesten transpirieren, haben die größte Aussicht auf eine ADNT-Nachweismöglichkeit. Jedoch sind auch diese nicht verlässlich. 

Schlussfolgerungen

Da aus den o.g. Radiotracer-Ergebnissen bekannt war, dass bodenbürtiges TNT in den Gehölzen festgelegt wird bzw. vollständig metabolisiert werden kann, sind die bei den Altlastgehölzen „misslungenen“ Nitroaromatennachweise, sowie Negativbefunde bei früheren Gehölz-Gefäßversuchen erklärbar. Mit der „kalten“ GC-ECD-Analytik sind nur dann bekannte TNT-Abkömmlinge erfassbar, wenn die TNT/ADNT-Nachlieferung in der Pflanze deren Festlegungs- bzw. Metabolisierungsgeschwindigkeit übersteigt. Eine quantitative Beziehung zwischen eventuell in Bäumen nachweisbaren Nitroaromaten und der Bodensanierungsleistung von Gehölzen ist nicht aufstellbar, solange der Wurzeleinzugsbereich und somit der TNT-Ausgangswert der Böden, die Evapotranspirationsleistung der Gehölzbestände und der Einfluss lateraler Schadstoffverlagerungen nicht exakt quantifizierbar ist. 

Holznutzung

Hinsichtlich der Holznutzung von Altlastwäldern ist von einer Unbedenklichkeit der Schadstoffgehalte des Holzes auszugehen. Durch Regenspritzwasser, Bodenstaub und  Bodenkontakt verschleppte Bodenkontaminationen, die auch die analytischen Arbeiten erschwerten, sind weitaus eher als das Altlastholz als „Gefährdungsquelle“ zu berücksichtigen. 


letzte Aktualisierung: 18.02.04 22:12 durch BerndSchoenmuth@yahoo.de Vorherige Seite     Nächste Seite  Web date: Juni 2002